Lagerplanung
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Lagerprogramme im Vergleich von ERP, WMS und Lagerverwaltung
Lagerprogramme im Vergleich: ERP, WMS und einfache Lagerverwaltung mit Funktionen, Schnittstellen, Betriebsarten und Lizenzkosten von SAP, Microsoft, PSI und Remira.
Das Wichtigste auf einen Blick
- ERP-Systeme führen Bestände als Modul mit, WMS steuern Lagerprozesse im Detail, einfache Lagerverwaltung begrenzt sich auf Ein- und Auslagerung.
- SAP veröffentlicht Funktionen und Schnittstellen für ERP-Lagerlogik, Microsoft, PSI und Remira setzen Schwerpunkte bei WMS und Automatisierung.
- Betriebsarten unterscheiden sich in Cloud-Abonnement, On-Premises-Lizenz und Mietmodell.
- Listenpreise nennen wenige Anbieter, deshalb entscheidet der Einführungsaufwand über die Gesamtkosten.
Drei Klassen mit unterschiedlicher Tiefe
Ein ERP-System bündelt Finanzen, Einkauf, Produktion und Lager in einer Datenbasis. Die Lagerverwaltung läuft dort als Modul mit, etwa in SAP S/4HANA oder SAP Business One. SAP beschreibt auf seiner Produktseite, welche Funktionen und Schnittstellen ERP-Systeme für Beschaffung, Materialwirtschaft und Logistik mitbringen. Für reine Bestandsführung genügt das, für verzahnte Fördertechnik meist nicht.
Ein Warehouse-Management-System steuert dagegen Lagerplätze, Strategien, Kommissionierung und Wellen. Es kennt Zonen, Behälter, Gewichte und Sperrlager. PSI Logistics mit PSIwms und Remira mit seinen Lagerverwaltungssystemen adressieren genau diese Ebene. Beide Anbieter binden Fördertechnik, Regalbediengeräte und Sortierer an.
Einfache Lagerverwaltung, oft als Ersatz für Tabellenkalkulation oder als Modul einer Warenwirtschaft, kennt Artikel, Mengen, Lagerorte und Buchungen. Sie bietet keine Leitstandsfunktion, keine Staplerführung und keine automatische Wegoptimierung. Für Kleinbetriebe mit wenigen Plätzen reicht das. Sobald mehrere Zonen, Chargen oder Gefahrstoffe dazukommen, stößt sie an Grenzen.
Funktionsumfang bei SAP, Microsoft, PSI und Remira
Microsoft kombiniert Lagerprozesse in Dynamics 365 Business Central und Dynamics 365 Supply Chain Management. Business Central enthält Lagerorte, Kommissionierung, Einlagerung und Fertigungsaufträge für kleine und mittlere Betriebe. Supply Chain Management ergänzt Lagerverwaltung mit Wellenplanung und Anbindung an Automatisierungstechnik für größere Standorte.
PSI Logistics richtet PSIwms an Logistikzentren mit hoher Automatisierung aus. Das System steuert Materialflussrechner, regelt Nachschubstrategien und bietet eine Leitstandoberfläche. Remira deckt mit seinen Lösungen Lagerverwaltung, Kommissionierung und Supply-Chain-Planung ab und verbindet Standorte und Lieferanten.
| Kriterium | ERP mit Lagermodul | WMS | Einfache Lagerverwaltung |
|---|---|---|---|
| Funktionsumfang | Bestände, Buchungen, Materialwirtschaft | Plätze, Strategien, Kommissionierung, Leitstand | Artikel, Mengen, Lagerorte, Buchungen |
| Betriebsarten | Cloud, On-Premises | Cloud, On-Premises, gehostet | meist Cloud oder lokal |
| Typische Anbieter | SAP, Microsoft | PSI, Remira | Warenwirtschaftsmodule |
| Einführungsaufwand | mittel, mit ERP-Projekt | hoch, wegen Fördertechnik | gering |
Schnittstellen und Betriebsarten
Alle vier Anbieter liefern Standardschnittstellen. SAP arbeitet mit IDoc, OData und RFC, Microsoft mit REST-Schnittstellen und Dataverse. PSI und Remira koppeln ihre Systeme über Schnittstellen an ERP-Systeme wie SAP und Microsoft Dynamics sowie an Steuerungen über OPC UA und Profinet.
Bei den Betriebsarten gilt: SAP, Microsoft und Remira bieten Cloud- und On-Premises-Betrieb. PSIwms läuft häufig im Rechenzentrum des Kunden oder gehostet. Wichtiger als die Betriebsart ist die Frage, ob Schnittstellen zum ERP und zur Fördertechnik im Projekt getestet werden.
Lizenzkosten in Euro pro Jahr
Lizenzmodelle unterscheiden sich deutlich. Microsoft veröffentlicht Listenpreise für Dynamics 365 Business Central und rechnet je Benutzer und Monat ab. SAP, PSI und Remira nennen für Lagerverwaltung und WMS in der Regel keine öffentlichen Listenpreise. Sie kalkulieren Projektpreise aus Modulen, Benutzern und Standorten.
Mietmodelle verlagern Lizenzzahlungen in laufende Kosten. Ein Cloud-Abonnement enthält meist Updates und Betrieb, eine On-Premises-Lizenz verlangt zusätzlich Wartung und Server. Die Themenseite des Bitkom zur digitalen Transformation bündelt Analysen zu diesem Wandel.
Rechenbeispiel für Jahreskosten
Angenommen, ein Betrieb mit 20 Lagerbenutzern zahlt 75 Euro je Benutzer und Monat. Das ergibt 1.500 Euro monatlich und 18.000 Euro im Jahr. Kommen 10.000 Euro Wartung und 5.000 Euro Hosting hinzu, liegt die Summe bei 33.000 Euro jährlich, ohne Einführung. Das Beispiel rechnet mit einem angenommenen Preis und nicht mit einem Angebot.
Einführung in fünf Schritten
- Prozesse aufnehmen: Wareneingang, Einlagerung, Kommissionierung und Versand mit Mengen und Zeiten dokumentieren.
- Kriterien gewichten: Automatisierungsgrad, Schnittstellen, Betriebsart und erwartetes Wachstum der Artikelzahl.
- Anbieter prüfen: SAP, Microsoft, PSI und Remira mit Referenzen und Testzugang vergleichen.
- Daten migrieren: Artikelstamm, Lagerplätze, Chargen und Lieferanten testweise übernehmen.
- Schnittstellen testen: ERP, Fördertechnik und Versanddienstleister im Probelauf anbinden.
Ein WMS-Projekt dauert typischerweise länger als die Einführung eines ERP-Lagers, weil Fördertechnik, Leitstand und Kommissionierstrategien abgestimmt werden müssen. Cloud-Betrieb verkürzt den Aufbau der Infrastruktur, ersetzt aber keine Schnittstellenarbeit. Die Themenseite des Bitkom zu Märkten und Technologien bündelt Analysen zu Investitionen und Anbieterlandschaft der Softwarebranche.
Marktumfeld und Auswahlentscheidung
Bitkom untersucht mit seinem Studienbericht, wie digital deutsche Industriebetriebe arbeiten; der Bericht zu Industrie 4.0 ordnet eingesetzte Systeme ein. Wer zwischen den Klassen wählt, sucht zuerst den Engpass. Reicht Bestandsgenauigkeit, genügt einfache Lagerverwaltung oder ein ERP-Modul. Zwingen Kommissionierfehler, Durchlaufzeiten oder Automatisierung zu mehr Steuerung, führt der Weg zum WMS.
Häufige Fragen
Wann genügt ein ERP-Modul zur Lagerverwaltung?
Wenn Bestände, Lagerorte und Buchungen geführt werden und keine Fördertechnik zu steuern ist. SAP deckt diese Funktionen im ERP ab.
Was kostet ein WMS im Jahr?
Das hängt von Benutzern, Standorten und Modulen ab. Microsoft nennt Listenpreise je Benutzer und Monat, SAP, PSI und Remira kalkulieren Projektpreise.
Welche Schnittstellen sind Pflicht?
Eine Schnittstelle zum ERP für Stammdaten und Buchungen, eine Anbindung an Fördertechnik bei Automatisierung und ein Export für Versanddienstleister.
Wie lange dauert die Einführung?
Die Dauer richtet sich nach Prozessen, Datenqualität und Schnittstellenzahl. Einfache Lagerverwaltung läuft nach Wochen, ein WMS-Projekt mit Fördertechnik nach Monaten.
Wann lohnt sich ein WMS statt einfacher Lagerverwaltung?
Wenn mehrere Zonen, Chargen oder Gefahrstoffe verwaltet werden und Kommissionierfehler oder Durchlaufzeiten sinken müssen. Dann reichen einfache Listen nicht mehr.