Lagerplanung
Teil von Lagerplanung als Leitfaden für Zonen, Flächen und Wege
Lagerzonen einteilen nach Verbrauchswert und Zugriff
Lagerzonen nach Verbrauch und Zugriff einteilen: ABC- und XYZ-Kriterien, Zugriffshäufigkeiten, Zonenraster mit Flächenanteilen, Gefahrstoffe und Kühlware.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die ABC-Analyse ordnet Artikel nach Verbrauchswert, die XYZ-Analyse nach der Vorhersagbarkeit des Bedarfs.
- Zugriffshäufigkeiten pro Tag, Woche und Kommissionierlinie machen die Wegzeiten vergleichbar.
- Ein Zonenraster mit Flächenanteilen von 10 bis 20 Prozent für A-Artikel und 50 bis 60 Prozent für C-Artikel verkürzt Greifwege.
- Gefahrstoffe und Kühlware benötigen eigene Bereiche, unabhängig von der Umschlagshäufigkeit.
- Eine Gefährdungsbeurteilung begleitet jede Umgestaltung der Lagerzonen.
ABC- und XYZ-Kriterien richtig kombinieren
Die ABC-Analyse bewertet den Verbrauchswert eines Artikels. Er ergibt sich aus Jahresverbrauchsmenge multipliziert mit dem Einstandspreis. A-Artikel tragen etwa 70 bis 80 Prozent zum Gesamtwert bei, obwohl sie nur 10 bis 20 Prozent der Positionen ausmachen. B-Artikel liegen bei 15 bis 20 Prozent Wertanteil, C-Artikel bei 5 bis 10 Prozent.
Die XYZ-Analyse beschreibt die Bedarfsstabilität. X-Artikel haben gleichmäßigen Verbrauch, Y-Artikel schwanken saisonal oder trendbedingt, Z-Artikel sind unregelmäßig. Die Kombination führt zu neun Feldern, etwa AX für schnelldrehende Wertartikel oder CZ für selten gebrauchte Restposten. Aus der Matrix leiten Planer die Zonenpriorität ab.
Die Grenzen sind nicht starr. Ein Artikel kann von A nach B wechseln, wenn sich der Absatz ändert. Ein typisches Lager mit 6.000 Artikeln hat dann 600 A-Artikel, 1.200 B-Artikel und 4.200 C-Artikel.
Zugriffshäufigkeit als Kennzahl messen
Zugriffshäufigkeiten zählen, wie oft ein Artikel pro Periode entnommen wird. Übliche Kennzahlen sind Picks pro Tag, Kommissionierlinien pro Auftrag und die durchschnittliche Wegzeit pro Pick. Moderne ERP-Systeme wie SAP ERP für die Lagerverwaltung erfassen diese Werte aus Auftrags- und Bewegungsdaten und stellen sie als Auswertung bereit.
Für die Zoneneinteilung reicht die reine Häufigkeit nicht. Entscheidend ist das Produkt aus Zugriffshäufigkeit und mittlerer Wegstrecke. Ein Artikel mit 40 Picks pro Tag und 25 Metern Weg belastet den Ablauf stärker als ein Artikel mit 10 Picks und 5 Metern. Planer gewichten deshalb häufige und weite Zugriffe als A-Zone.
Die Daten stammen aus dem Lagerverwaltungssystem oder aus manuellen Zählungen. Die Kennzahl wird monatlich fortgeschrieben. Sinkt die Pickzahl eines A-Artikels unter 10 pro Woche, prüfen Planer eine Rückstufung.
Rechenbeispiel für die Zonenpriorität
Ein Artikel wird 30 Mal pro Woche entnommen. Die mittlere Wegstrecke beträgt 18 Meter. Das ergibt 540 Zugriffsmeter pro Woche. Ein zweiter Artikel wird 12 Mal pro Woche entnommen, bei 4 Metern Weg: 48 Zugriffsmeter. Der erste Artikel gehört in die A-Zone, der zweite in die B- oder C-Zone.
Zonenraster mit Flächenanteilen
Das Zonenraster verbindet Wertigkeit, Zugriffshäufigkeit und Fläche. Die folgende Tabelle zeigt typische Anteile für ein Lager mit gemischtem Sortiment.
| Zone | Kriterium | Flächenanteil | Platzierung |
|---|---|---|---|
| A | hoher Verbrauchswert, viele Zugriffe | 10 bis 15 Prozent | direkt am Kommissionierplatz |
| B | mittlerer Wert, regelmäßige Zugriffe | 25 bis 35 Prozent | in Greifreichweite |
| C | niedriger Wert, seltene Zugriffe | 50 bis 60 Prozent | Rand- oder Hochregalzone |
| Sonder | Gefahrstoffe, Kühlware | 5 bis 10 Prozent | abgetrennt, mit Kennzeichnung |
Die Flächenanteile sind Richtwerte, keine Norm. Bei einem reinen Ersatzteillager mit vielen C-Artikeln verschiebt sich das Verhältnis. Planer prüfen die Anteile jährlich und passen sie an die Auftragsstruktur an. A-Artikel stehen in Bodennähe zwischen 80 und 150 Zentimetern Greifhöhe. C-Artikel wandern in obere Etagen oder in das Blocklager.
Grenzen bei Gefahrstoffen und Kühlware
Gefahrstoffe dürfen nicht allein nach Verbrauchswert platziert werden. Lagerklassen, Mengenschwellen und Brandschutz bestimmen den Standort. Die TRBS 1111 Gefährdungsbeurteilung der BAuA verlangt eine Gefährdungsbeurteilung, die auch Lager- und Logistikprozesse einschließt.
Kühlware folgt der Temperaturkette. Sie braucht eigene Zonen mit 2 bis 8 Grad Celsius für Frische und minus 18 Grad Celsius für Tiefkühlung. Die Zugriffshäufigkeit ist dort nachrangig, weil Hygiene- und HACCP-Vorgaben die Anordnung vorgeben. Eine Mischung mit Trockensortiment ist unzulässig. Für Kühlware gilt die Verordnung (EG) Nr. 852/2004 zur Lebensmittelhygiene. Die Temperatur wird dokumentiert.
Schritt für Schritt zur Zoneneinteilung
- Verbrauchs- und Bewegungsdaten der vergangenen 12 Monate je Artikel auswerten.
- ABC- und XYZ-Klasse je Artikel bestimmen und in einer Matrix zusammenführen.
- Zugriffshäufigkeit und Wegstrecke je Pick messen und als Kennzahl gewichten.
- Flächenanteile für A-, B- und C-Zonen festlegen und Sonderzonen abtrennen.
- Gefährdungsbeurteilung aktualisieren und Zonen jährlich überprüfen.
Nach der Umstellung messen Planer die Greifzeit erneut und vergleichen sie mit dem Ausgangswert.
Häufige Fragen
Wie oft sollte man Lagerzonen neu einteilen?
Jährlich, bei starken Sortimentsänderungen auch quartalsweise. Die Zugriffshäufigkeiten verschieben sich mit neuen Auftraggebern.
Welche Zugriffshäufigkeit rechtfertigt die A-Zone?
Als Richtwert gelten mehr als 20 Picks pro Tag oder mehr als 100 Zugriffe pro Woche. Der Wert hängt von Sortiment und Kommissionierverfahren ab.
Warum reicht die ABC-Analyse allein nicht?
Sie bewertet den Wert, nicht den Weg. Erst die XYZ-Klasse und die Zugriffshäufigkeit zeigen, welche Artikel trotz hohen Werts selten bewegt werden.
Müssen Gefahrstoffe immer eine eigene Zone bilden?
Ja, sofern Lagerklassen, Mengen oder Schutzabstände es erfordern. Die TRBS 1111 verlangt eine Gefährdungsbeurteilung für den konkreten Standort.
Gilt die Einteilung auch für Außenlager?
Ja, allerdings mit anderen Flächenanteilen. Witterung, Diebstahlschutz und längere Wege verschieben die Grenzen zwischen den Zonen.