Lagerplanung
Teil von Lagerplanung als Leitfaden für Zonen, Flächen und Wege
Welche Flächen- und Wegehebel sind in der Dokumentation belegt, wenn Gangmaße fehlen?
Belegte Hebel zur Flächen- und Wegeoptimierung im Lager: Gangbreite, Verkehrsweganteil, Blocklagerung und Kommissionierweg mit Aufnahmekriterien.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Vier Hebel lassen sich auch ohne Gangmaße belegen: Wegebreite, Verkehrsweganteil, Blocklagerung und Kommissionierweg.
- Die Wegebreite folgt aus Fahrzeug- und Regaldaten nach VDI 2198 und DIN EN 15620, nicht aus dem Bestandsplan.
- Ein Prozentpunkt Verkehrsweganteil entspricht bei 8.000 Quadratmetern Grundfläche genau 80 Quadratmetern.
- Blocklagerung spart Wegfläche, schränkt aber Zugriff und Entnahmereihenfolge ein.
- Jede Änderung an Wegen und Flächen gehört in die Gefährdungsbeurteilung nach TRBS 1111.
Vier Hebel, ihre Aufnahmekriterien und ihr Beleg
| Hebel | Aufnahmekriterium | Beleg |
|---|---|---|
| Wegebreite | Fahrzeugtyp, Anbaugerät, Fahrtrichtung, Begegnungsverkehr | VDI 2198, DIN EN 15620 |
| Verkehrsweganteil | Flächenbilanz, Zeilenlängen, Anzahl der Gänge | Messung vor Ort, TRBS 1111 |
| Blocklagerung | homogene Artikel, stapelbare Ladungsträger, seltene Zugriffe | Flächenvergleich Regal gegen Block |
| Kommissionierweg | Weg je Position, Positionen je Auftrag, Nachschub | VDI 3590 |
Wegebreite aus Fahrzeug- und Regaldaten
Fehlen Gangmaße, führt der Weg über die eingesetzten Fahrzeuge. Die VDI 2198 enthält Typenblätter für Flurförderzeuge mit Abmessungen, Hubhöhen und Wendekreisen. Aus diesen Werten leiten Planer die Breite eines Arbeitsgangs ab. DIN EN 15620 ergänzt Toleranzen, Verformungen und die Abstände zwischen Regal und Fahrzeug.
Aufnahmekriterium ist keine feste Zahl, sondern eine Prüfung: Fahrzeug, Anbaugerät und Ladungsträger müssen sich ohne Rangieren erreichen lassen, Fluchtwege bleiben frei. Ein Einfahrgang braucht weniger Breite als ein Durchfahrgang. Die Fahrtrichtung ändert das Ergebnis also, ebenso der Bodenbelag und die Kurvenradien an den Zeilenenden.
Kürzere Wege berühren den Arbeitsschutz. Die TRBS 1111 zur Gefährdungsbeurteilung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin verlangt eine Beurteilung für Lager- und Logistikprozesse, zu der Verkehrswege, Begegnungsverkehr und Sichtfelder an Kreuzungen gehören. Wer Breiten kürzt, ohne die Beurteilung fortzuschreiben, verliert die Belegfähigkeit seiner Planung.
Verkehrsweganteil als Leitgröße
Der Verkehrsweganteil ist die Summe aller Fahr- und Gangflächen geteilt durch die Hallengrundfläche. Ohne Gangmaße lässt er sich näherungsweise bestimmen: Regalzeilen zählen, Zeilenlängen messen und die Breite je Gang aus den Fahrzeugdaten ableiten. Jeder Prozentpunkt wirkt direkt, bei 8.000 Quadratmetern Grundfläche sind es 80 Quadratmeter.
Fläche ist knapp, das Umweltbundesamt begründet Flächensparen des Umweltbundesamts mit dem Schutz von Böden und Landschaften. Rechenbeispiel: Sinkt der Verkehrsweganteil von 36 auf 31 Prozent, gewinnt eine Halle mit 8.000 Quadratmetern 400 Quadratmeter zurück. Das sind 14 Prozent der bisherigen Verkehrsfläche.
Blocklagerung und Kommissionierweg
Blocklagerung nimmt Ladungsträger ohne Zwischengang auf. Aufnahmekriterien sind homogene Artikel, stapelbare Ladungsträger, seltene Zugriffe und der Verzicht auf eine strenge Entnahmereihenfolge. Rechenbeispiel: Fünf Regalzeilen mit je 3,50 Meter breitem Gang kosten bei 30 Meter Zeilenlänge 525 Quadratmeter Wegefläche. Ein Block mit nur einem Verkehrsweg von 4 Metern kommt auf 120 Quadratmeter, also 77 Prozent weniger.
Der Kommissionierweg ist der zweite Hebel. VDI 3590 behandelt Kommissioniersysteme und ihre Wege. Aufnahmekriterien sind der Weg je Position, die Positionen je Auftrag und die Nachschubstrategie. Rechenbeispiel: 500 Positionen am Tag und 12 Meter weniger Weg je Position ergeben 6.000 Meter täglich, bei 250 Arbeitstagen 1,5 Millionen Meter im Jahr.
Ein Weg von 40 auf 28 Meter senkt den Aufwand rechnerisch um 30 Prozent. Mehrwegbehälter und die Mehrfachnutzung von Ladungsträgern zählen zur Ressourcenschonung in Produktion und Konsum. Sie verkleinern das Verpackungsvolumen und damit indirekt den Flächenbedarf für die Bereitstellung.
Beispielrechnung für eine Halle ohne Gangmaße
- Regalzeilen zählen und Länge messen, im Beispiel 20 Zeilen mit je 30 Meter Länge.
- Gangbreite über Fahrzeugdaten nach VDI 2198 schätzen, im Beispiel 3,60 Meter je Gang.
- Wegefläche rechnen: 20 mal 30 mal 3,60 ergibt 2.160 Quadratmeter, also 27 Prozent der 8.000 Quadratmeter Grundfläche.
- Geprüfte Mindestbreite einsetzen, im Beispiel 3,10 Meter, das ergibt 1.860 Quadratmeter.
- Differenz bewerten: 300 Quadratmeter, das sind 3,75 Prozent der Grundfläche und 14 Prozent der bisherigen Wegefläche.
Häufige Fragen
Welche Gangbreite gilt, wenn im Plan keine Maße stehen?
Sie folgt aus dem eingesetzten Fahrzeug. Typenblätter nach VDI 2198 liefern die Abmessungen, DIN EN 15620 die einzuhaltenden Abstände. Im Zweifel größer ansetzen und den Begegnungsverkehr prüfen.
Wie schätze ich den Verkehrsweganteil ohne Gangmaße?
Zeilen zählen, Längen messen, Gangbreite aus Fahrzeugdaten ableiten und die Wegefläche durch die Grundfläche teilen. Die Schätzung trägt eine Rangfolge der Maßnahmen, nicht die Detailplanung.
Wann lohnt sich Blocklagerung?
Wenn Artikel homogen, Ladungsträger stapelbar und Zugriffe selten sind. Bei hoher Zugriffshäufigkeit oder strenger Reihenfolge kostet sie mehr Zeit, als sie an Fläche gewinnt, und scheidet als Hebel aus.
Welche Dokumente belegen die Bewertung?
VDI 2198 für Fahrzeugmaße, DIN EN 15620 für Abstände, DIN EN 15512 für die Bemessung von Palettenregalen und VDI 3590 für Kommissioniersysteme.
Muss ich kürzere Wege dokumentieren?
Ja. Änderungen an Verkehrswegen gehören in die Gefährdungsbeurteilung und sollten mit Datum, Breite, Fahrzeugbezug und Ansprechpartner festgehalten werden.