Lagerplanung
Teil von Lagerplanung als Leitfaden für Zonen, Flächen und Wege
Schmalgang planen: Prüffragen zur Verdichtung gegen Hochregal und mehrfachtiefe Lagerung
Schmalgang planen: Prüfliste mit Gangbreiten, Umschlagsleistung, Investitionskosten in Euro sowie Anforderungen aus DIN EN 15512 und DGUV Regel 108-007.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Schmalgang senkt die Gangbreite auf 1,60 bis 2,00 Meter und gewinnt je eingespartem Gang eine zusätzliche Regalzeile.
- Schubmaststapler im Hochregal brauchen 2,80 bis 3,30 Meter Gangbreite und erreichen jede Palette einzeln.
- Mehrfachtiefe Lagerung verdichtet weiter, gibt aber nur die vorderste Palette frei.
- DIN EN 15512 regelt die Statik, DGUV Regel 108-007 die Prüfungen, TRBS 1111 die Gefährdungsbeurteilung.
- Gerechnet wird in Euro je Palettenstellplatz, nicht je Regalreihe.
Gangbreite, Fahrzeug und Zugriff: die Prüftabelle
Die Gangbreite folgt dem Fahrzeug, nicht umgekehrt. Wer Schmalgang plant, legt zuerst Last, Hubhöhe und Umschlagsleistung fest. Daraus ergeben sich Hubgerüst, Führung und Gangmaß.
| Lagerkonzept | Gangbreite | Fahrzeug | Hubhöhe | Zugriff |
|---|---|---|---|---|
| Breitgang | 3,50 bis 4,50 m | Gegengewichtsstapler | bis 6 m | jede Palette frei |
| Hochregal | 2,80 bis 3,30 m | Schubmaststapler | bis 10 m | jede Palette frei |
| Schmalgang | 1,60 bis 2,00 m | Schmalgangstapler mit Schienenführung | 12 m und mehr | jede Palette, langsamer |
| Mehrfachtief | 2,80 bis 3,50 m | Satellit oder Kanalbediengerät | bis 12 m | nur die vorderste Palette |
Prüfen Sie vor dem Verlegen der Schienen die Bodenebenheit und die Tragfähigkeit der Decke. Schmalgangstapler übertragen höhere Radlasten auf kleinere Flächen als Gegengewichtsstapler.
Rechenbeispiel: Umschlag gegen Fahrzeugbedarf
Angenommen, das Lager bewegt 600 Paletten je Schicht, je 300 hinein und 300 hinaus. Ein Schmalgangfahrzeug schafft im Doppelspiel 22 Paletten je Stunde, die Verfügbarkeit liegt bei 85 Prozent, die Schicht dauert acht Stunden.
- Palettenbewegungen je Schicht: 600, also 300 Paare aus Ein- und Auslagerung.
- Nutzbare Leistung je Fahrzeug: 22 Doppelspiele mal 8 Stunden mal 0,85, das sind rund 150 Doppelspiele je Schicht.
- Fahrzeugbedarf im Schmalgang: 300 geteilt durch 150 ergibt 2 Fahrzeuge.
- Fahrzeugbedarf bei mehrfachtiefer Lagerung mit 14 Doppelspielen je Stunde: 300 geteilt durch 95 ergibt 3,2, also vier Fahrzeuge.
Bei mehrfachtiefer Lagerung verschiebt sich der Engpass vom Gang in den Kanal. Wartezeiten entstehen am Satellitenfahrzeug, nicht am Regalbediengerät.
Kostenrahmen je Stellplatz und je Fahrzeug
Alle Beträge sind Nettopreise ohne Umsatzsteuer und als Beispielrechnung zu lesen. Sie schwanken mit Stahlpreis, Ausstattung und Lieferzeit.
- Regaltechnik: 90 bis 150 Euro je Palettenstellplatz, mehrfachtief 60 bis 110 Euro, weil Gänge und Traversen entfallen.
- Schubmaststapler: 35.000 bis 70.000 Euro je Fahrzeug.
- Schmalgangstapler mit Schienen- und Leittechnik: 60.000 bis 130.000 Euro je Fahrzeug, im Leasing 1.200 bis 2.400 Euro monatlich.
- Schienen und Induktionsleitspur: 120 bis 250 Euro je Gangmeter.
- Hallenanpassung, Brandschutz und Beleuchtung: 30 bis 80 Euro je Quadratmeter.
Bei 12.000 Stellplätzen und 130 Euro je Platz liegt die Regaltechnik bei rund 1.560.000 Euro. Stellen Sie diesem Wert die Stellplatzmehrzahl des Schmalgangs gegenüber.
Normen, Prüfpflichten und Inventur
Die statische Berechnung ortsfester Palettenregale folgt DIN EN 15512. Die Norm verlangt den Nachweis der Tragfähigkeit, Lastannahmen für Anprall und die Kennzeichnung der zulässigen Fachlasten am Regal.
DGUV Regel 108-007 für Lagereinrichtungen und -geräte konkretisiert die betrieblichen Prüfungen. Sie sind vor der Inbetriebnahme und danach wiederkehrend durch eine befähigte Person fällig, im Schmalgang üblicherweise jährlich.
Vor jeder Umstellung steht die Gefährdungsbeurteilung. Die TRBS 1111 Gefährdungsbeurteilung der BAuA beschreibt, wie Gefährdungen systematisch zu ermitteln und Maßnahmen abzuleiten sind.
Bei mehrfachtiefer Lagerung ist nur die vorderste Palette sichtbar. § 240 HGB verlangt die körperliche Bestandsaufnahme des Vorrats. § 241 HGB lässt dafür vereinfachte Verfahren zu, etwa die permanente Inventur.
Häufige Fragen
Ab welcher Höhe lohnt sich Schmalgang?
Sobald die Grundfläche knapp wird und Sie mehr als etwa acht Meter Hubhöhe brauchen. Jeder eingesparte Gang schafft Platz für eine weitere Regalzeile.
Wann ist mehrfachtiefe Lagerung die bessere Wahl?
Bei vielen Paletten weniger Artikel mit niedriger Umschlagshäufigkeit. Der Zugriff auf hintere Paletten kostet Zeit, der Kanal wird zum Engpass.
Was fordert DIN EN 15512 konkret?
Eine statische Berechnung, Anprallnachweise und die Kennzeichnung der zulässigen Lasten. Grundlage sind die tatsächlichen Lastannahmen des Betreibers, nicht Katalogwerte.
Wie oft sind Regale und Fahrzeuge zu prüfen?
DGUV Regel 108-007 verlangt eine Prüfung vor Inbetriebnahme und danach wiederkehrend. Nach Anprall oder Umbau ist eine außerordentliche Prüfung fällig.
Muss die Inventur bei mehrfachtiefen Regalen anders ablaufen?
Ja. Planen Sie Kanalräumung, Umschlagstopp oder ein vereinfachtes Verfahren nach § 241 HGB ein. Die Zugänglichkeit gehört in die Planung, nicht in die Nachrüstung.