Karte zu Bestandsdaten, Nachschubpunkt und ABC-XYZ-Klassifikation
Bild: Lagerhandbuch

Lagerplanung

Teil von Lagerplanung als Leitfaden für Zonen, Flächen und Wege

Warenflussanalyse: Welche Systemdaten liefern Bestand, Bewegung und Nachschubpunkt?

Warenflussanalyse: Welche ERP- und WMS-Daten Bestand, Zugang, Abgang, Reservierung und Meldebestand liefern und wie Sie Nachschubpunkte berechnen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Vier Datenblöcke genügen für den StartBestandsmenge, Bestandswert, Verbrauch je Periode und Wiederbeschaffungszeit.
  • ERP und WMS liefern Bestand, Zugang, Abgang, Reservierung und Meldebestand je Artikel und Lagerort.
  • ABC und XYZ trennen Wertigkeit von Bedarfsschwankung.
  • Der Nachschubpunkt folgt der Formel Tagesverbrauch mal Lieferzeit plus Mindestbestand.
  • Fünf Prüfschritte sichern die Datenqualität vor jeder Auswertung.

Diese Datenfelder liefern ERP und WMS

Für eine Warenflussanalyse brauchen Sie Stammdaten und Bewegungsdaten. Stammdaten beschreiben den Artikel dauerhaft, etwa Einheit, Lagerort, Beschaffungsart und Wiederbeschaffungszeit. Bewegungsdaten entstehen bei jedem Buchungsvorgang: Zugang, Abgang, Umbuchung und Reservierung.

Stammdaten vs. Bewegungsdaten

Stammdaten

Einheit
dauerhaft
Lagerort
dauerhaft
Beschaffungsart
dauerhaft
Wiederbeschaffungszeit
dauerhaft
Zugang
Abgang
Umbuchung
Reservierung

Bewegungsdaten

Einheit
Lagerort
Beschaffungsart
Wiederbeschaffungszeit
Zugang
je Buchung
Abgang
je Buchung
Umbuchung
je Buchung
Reservierung
je Buchung

Bestandsfelder liefern den Buchbestand je Artikel und Lagerort, getrennt nach verfügbar, reserviert und gesperrt. Prüfen Sie, ob das System den verfügbaren Bestand aus Buchbestand minus Reservierungen minus offener Aufträge bildet. Diese Rechenregel unterscheidet sich je System und gehört in die Verfahrensdokumentation.

Ziehen Sie Bewegungsdaten über einen definierten Zeitraum, mindestens sechs Monate, besser zwölf. Kurze Fenster verdecken Saisonspitzen und liefern zu niedrige Verbrauchswerte.

ERP-Systeme verwalten Materialstamm, Disposition und Wertansätze zentral und bieten Schnittstellen zur Lagerverwaltung; der Anbieter SAP beschreibt, wie ERP-Systeme Stammdaten und Lagerbewegungen bündeln.

Nicht jeder Betrieb führt alle Felder in einem System. Häufig liefert das ERP die kaufmännischen Werte, das WMS die Lagerbewegung, und Scanner buchen in Echtzeit nach. Wie weit diese Digitalisierung reicht, unterscheidet sich zwischen Betrieben stark, wie der Bitkom in seinem Studienbericht Industrie 4.0 dokumentiert.

Datenfelder in ERP und WMS

DatenfeldTypische HerkunftVerwendung
Bestand je LagerortBestandsführung im WMSAnfangs- und Endwert
ZugangWareneingangZugangsrate je Periode
AbgangKommissionierung, WarenausgangVerbrauch je Periode
ReservierungAuftragsverwaltungverfügbarer Bestand
MeldebestandDisposition im ERPNachschubpunkt

ABC und XYZ ordnen den Warenfluss

Wertigkeit und Schwankung sind zwei verschiedene Fragen. Die ABC-Analyse sortiert Artikel nach dem jährlichen Verbrauchswert und zeigt, welche Positionen Kapital binden. Die XYZ-Klassifikation beschreibt die Verbrauchskonstanz: X für gleichmäßigen, Y für saisonalen oder schwankenden, Z für unregelmäßigen Bedarf.

Erst die Kombination beider Merkmale ergibt sinnvolle Nachschubregeln. Ein A-Artikel mit X-Bedarf lässt sich knapp disponieren. Ein A-Artikel mit Z-Bedarf braucht Sicherheitsbestand, weil die Prognose unsicher bleibt. Halten Sie die Klassengrenzen schriftlich fest, sonst wandern Artikel zwischen zwei Auswertungen in eine andere Gruppe.

Beispielrechnung für den Nachschubpunkt

Der Nachschubpunkt folgt der Formel Tagesverbrauch mal Wiederbeschaffungszeit plus Mindestbestand. Die folgenden Werte sind Annahmen eines Beispiels, keine Vorgaben.

Beispielrechnung Nachschubpunkt

Tagesverbrauch
10 Stück
Wiederbeschaffungszeit
5 Werktage
Mindestbestand
2 Stück

Daraus ergibt sich ein Nachschubpunkt von 52 Stück. Sinkt der verfügbare Bestand darunter, löst die Disposition eine Bestellung aus. Steigt der Tagesverbrauch auf 14 Stück, liegt der Nachschubpunkt bei 72 Stück.

Rechnen Sie mit dem verfügbaren Bestand statt mit dem Buchbestand, sonst zählen reservierte Mengen doppelt. Bei schwankendem Bedarf erhöhen Sie den Sicherheitsbestand, statt den Meldebestand abzusenken.

ERP-Systeme berechnen den Meldebestand aus gepflegten Durchschnittsverbräuchen und Wiederbeschaffungszeiten teilautomatisch. Die Pflege der Eingangswerte bleibt Ihre Aufgabe, weil das System saisonale Spitzen nicht erkennt.

Datenqualität in fünf Prüfschritten

Prüfen Sie die Datenqualität vor jeder Auswertung, sonst planen Sie auf Basis von Buchungsfehlern.

  1. Buchungsdatum prüfenGibt es Buchungen nach dem Auswertungsstichtag?
  2. Negativbestände suchenSie weisen auf Fehlbuchungen oder fehlende Zugänge hin.
  3. Reservierungen abgleichenPassen Auftragsmenge und reservierte Menge zusammen?
  4. Wiederbeschaffungszeiten kontrollierenSind sie je Lieferant aktuell gepflegt?
  5. Schnittstellen testenErreicht jeder Zugang aus dem ERP das WMS vollständig?

Für die Verbindung von ERP, WMS und Scannern gelten Sicherheitsanforderungen an Verfügbarkeit, Zugriffsrechte und Protokollierung. Das BSI bündelt sie im IT-Grundschutz für Unternehmen.

Häufige Fragen

Welche Datenfelder sind unverzichtbar?

Bestand, Zugang, Abgang, Reservierung und Meldebestand, jeweils je Artikel und Lagerort.

Reicht der Buchbestand für den Nachschubpunkt?

Nein. Reservierte und offene Auftragsmengen senken den verfügbaren Bestand, deshalb disponieren Sie mit dem verfügbaren Wert.

Wie oft sollte ich den Nachschubpunkt neu berechnen?

Verbrauch und Lieferzeit verschieben sich, deshalb ist ein regelmäßiger Turnus sinnvoll, etwa wöchentlich oder monatlich. Eine gesetzliche Vorgabe gibt es nicht.

Warum reicht die ABC-Analyse allein nicht?

Sie bewertet nur den Verbrauchswert. Die Nachfragekonstanz fehlt, deshalb kommt die XYZ-Klassifikation hinzu.

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