
Lagerplanung
Teil von Kommissionierung planen: Bestand, Nachschub und Kennzeichnung ordnen
Kommissionierverfahren im Vergleich von Zweistufig, Batch und Zone
Kommissionierverfahren im Vergleich: zweistufig, Batch und Zone mit Durchsatz, Greifzeit, Fehlerquote, Investitionskosten und Eignung nach Sortiment.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Zweistufige Kommissionierung trennt Sammeln und Verteilen und senkt Wege bei großen Aufträgen.
- Batch fasst mehrere Aufträge zu einem Zug zusammen und passt zu vielen Kleinteilen.
- Zonenkommissionierung teilt das Lager in feste Bereiche und erreicht hohe Greifleistungen.
- Fehlerquoten hängen stärker von Kennzeichnung und Scannerführung ab als vom Verfahren.
- Zone und Batch verursachen höhere Investitionen, zweistufig bleibt meist die günstigste Variante.
Wie die drei Verfahren ablaufen
Bei der zweistufigen Kommissionierung sammelt eine Person Artikel für viele Aufträge in einem Behälter und übergibt sie an eine zweite Stufe, die verteilt. Der Weg durch das Lager entsteht einmal, die Verteilung läuft am Sortierplatz. Die VDI-Richtlinie 3590 ordnet Kommissioniersysteme unter anderem nach ein- und zweistufiger Bereitstellung und Zusammenführung.
Batchkommissionierung, auch Stapelkommissionierung genannt, zieht mehrere Aufträge gleichzeitig durch das Lager. Der Kommissionierer liest am Display, welche Menge zu welchem Auftrag gehört. Nach dem Rundgang trennt ein Sortierplatz die Positionen wieder nach Aufträgen.
In der Zonenkommissionierung bearbeitet jede Person einen festen Lagerabschnitt. Artikel mit vielen Zugriffen liegen in einer eigenen Zone. An Übergabepunkten wechseln Behälter zwischen den Bereichen, dort greifen auch Scanner und Fördertechnik.
Zweistufige Systeme arbeiten häufig mit Kommissionierwagen, die mehrere Behälter aufnehmen. Batch läuft meist papierlos über mobile Datenterminals. Zonen brauchen klare Bereichsgrenzen und eine feste Regel für die Übergabe.
Durchsatz, Greifzeit und Fehlerquote im Vergleich
Die Kennzahlen werden je Lager unterschiedlich erhoben. Durchsatz zählt kommissionierte Positionen je Stunde, die Greifzeit misst den Zeitraum von der Entnahme bis zur Ablage im Behälter. Die Fehlerquote ergibt sich aus falsch kommissionierten Positionen im Verhältnis zu allen Positionen.
Zweistufig
- Durchsatz
- mittel bis hoch
- Greifzeit je Position
- kurz bei großen Aufträgen
- Fehlerquote
- niedrig
- Investition
- gering
- Passendes Sortiment
- schwere und große Artikel
Batch
- Durchsatz
- hoch
- Greifzeit je Position
- sehr kurz bei Kleinteilen
- Fehlerquote
- mittel, abhängig von der Sortierung
- Investition
- mittel
- Passendes Sortiment
- Kleinteile, viele Positionen
Zone
- Durchsatz
- sehr hoch
- Greifzeit je Position
- kurz innerhalb der Zone
- Fehlerquote
- niedrig bei klaren Zonengrenzen
- Investition
- hoch
- Passendes Sortiment
- breites Sortiment
Der Durchsatz je Stunde steigt mit der Zahl der Positionen je Auftrag, weil sich Wegzeiten auf mehr Entnahmen verteilen. In Zonen sinkt die Wegzeit zusätzlich, dafür steigt der Aufwand für Übergaben. Bei Batch wächst der Sortieraufwand mit der Zahl gleichzeitig bearbeiteter Aufträge.
Belastbare Vergleichswerte liefert nur eine Messung im eigenen Lager. Wer die Verfahren gegenüberstellen will, erhebt Greifzeit und Fehlerquote über mehrere Schichten mit gleichem Sortiment.
Was die Verfahren kosten: Rechenbeispiel
Die Investition hängt an Fördertechnik, Sortierplätzen, Behältern und Software. Eine Beispielrechnung mit offen gelegten Annahmen für ein Lager mit 4.000 Auftragspositionen am Tag, alle Beträge netto zuzüglich 19 Prozent Umsatzsteuer:
Schulung und Inbetriebnahme sind nicht enthalten, dafür fallen je nach Anbieter weitere Kosten an. Neben den Anschaffungen zählen laufende Kosten: Personal, Wartung der Fördertechnik und Softwarepflege. Bei Batch und Zone sind die Personalkosten je Position meist niedriger, weil Wege entfallen.
Wofür sich welches Verfahren eignet
Batch eignet sich, wenn täglich viele Aufträge mit ähnlichen Positionen anfallen und das Sortiment überwiegend aus Kleinteilen besteht. Zonen lohnen sich bei breitem Sortiment, wenn mehrere Aufträge parallel durch das Lager laufen und die Greifzeiten je Zone kurz bleiben.
Zweistufig passt zu Paletten, schweren Artikeln und Lagern mit begrenztem Budget, weil keine Übergabepunkte und keine Zonensteuerung nötig sind. Mischformen sind üblich, viele Lager kombinieren Zonen mit Batchzügen innerhalb einer Zone. Zuerst wird die Auftragsstruktur ausgewertet, also Positionen je Auftrag und Artikelverteilung.
In fünf Schritten zum passenden Verfahren
Vor der Entscheidung hilft eine feste Reihenfolge, die Zahlen aus dem eigenen Betrieb nutzt.
- Auftragsstruktur auswertenPositionen je Auftrag, Artikelverteilung und Auftragsspitzen.
- Ist-Zeiten messenGreifzeit, Wegzeit und Fehlerquote über mehrere Schichten.
- Varianten kalkulierenInvestition, Personalbedarf und Flächenbedarf gegenüberstellen.
- Pilotbereich umstellen und Kennzahlen mit dem Ausgangszustand vergleichen.
- Verfahren wählen, das Durchsatz und Kosten im Verhältnis am besten verbindet.
Arbeitsgestaltung und Aufzeichnungen
Die Wahl des Verfahrens verändert Belastungen und Wege. Für Lager- und Logistikprozesse verlangt die TRBS 1111 zur Gefährdungsbeurteilung eine Beurteilung, die auch Greifhöhen, Hebevorgänge und Verkehrswege erfasst. Für die Auswahl zählt auch, wie sich Schichtwechsel und Vertretungen in den Zonen regeln lassen.
Unabhängig vom gewählten Verfahren gilt § 238 HGB zur Aufzeichnung der Lagerbewegungen: Jede Entnahme und jeder Zugang muss nachvollziehbar belegt sein. Bei vereinfachter Inventur nach § 241 HGB zu Dauerinventur und weiteren Verfahren müssen die eingesetzten Methoden anerkannt sein.
Belege zu Lagerbewegungen und Inventuren unterliegen den Aufbewahrungsfristen nach § 257 HGB. Digitale Nachweise sind zulässig, wenn sie lesbar und nachvollziehbar bleiben.
Häufige Fragen
Welches Verfahren eignet sich für viele Kleinteile?
Batch, weil mehrere Aufträge in einem Zug durch das Lager laufen und der Weg je Position sinkt. Bei vielen Artikeln mit unterschiedlicher Zugriffshäufigkeit ergänzt eine Zone den Batchzug.
Wann lohnt sich die Zonenkommissionierung?
Wenn das Sortiment breit ist, mehrere Aufträge parallel bearbeitet werden und die Wege je Auftrag sonst zu lang werden. Übergabepunkte und Fördertechnik treiben die Investition nach oben.
Wie lässt sich die Fehlerquote senken?
Durch eindeutige Fachkennzeichnung, Scannerbestätigung an jeder Entnahme und klare Zonengrenzen. Die Verfahrenswahl allein senkt keine Fehlerquote.
Welches Verfahren ist am günstigsten einzuführen?
Die zweistufige Variante, weil Sammelwagen und Sortierplatz ohne Zonensteuerung genügen. Batch und Zone benötigen zusätzliche Behälter, Scanner und Übergabepunkte.



