Lagerplanung

Teil von Kommissionierung planen: Bestand, Nachschub und Kennzeichnung ordnen

Welche Kommissionierfehler kosten Bestand und Nachschub?

Kommissionierfehler wie Mengenfehler, falscher Artikel und fehlende Buchung: Folgekosten je Fall in Euro, Wirkung auf Bestand und Nachschub, Gegenmaßnahmen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Mengenfehler, falscher Artikel und fehlende Buchung verfälschen den Bestand in beide Richtungen.
  • Ein einzelner Fehler kostet im Lager 12 bis 120 Euro, mit Lieferverzug deutlich mehr.
  • Falsche Systembestände lösen Eilbestellungen und unnötige Nachschubaufträge aus.
  • Ein zu hoch gebuchter Bestand verhindert die Nachbestellung und erzeugt Fehlmengen beim Kunden.
  • Scanpflicht, Stichproben und Dauerinventur senken Fehlerquote und Inventurdifferenzen.

Fünf Fehlerarten und ihre Wirkung auf den Bestand

Mengenfehler: Es wird zu viel oder zu wenig entnommen, die gebuchte Menge weicht von der tatsächlichen ab. Der Systembestand läuft dauerhaft neben dem physischen Bestand her und driftet mit jeder Schicht weiter auseinander.

Falscher Artikel: Ähnliche Verpackungen, benachbarte Regalfächer oder Varianten mit fast gleicher Nummer führen zur Vertauschung. Der falsche Artikel wird abgebucht, der richtige bleibt im System liegen.

Fehlende Buchung: Die Ware verlässt das Lager, der Scan erfolgt erst am Schichtende oder gar nicht. Bis dahin gilt die Menge als verfügbar und wird erneut disponiert.

Falscher Lagerplatz: Ware wird umgelagert, ohne den Lagerort zu buchen. In der Summe stimmt der Bestand, in der Verteilung nicht, und die Kommissionierung sucht an der falschen Stelle.

Nicht gebuchte Rückläufer: Retouren stehen im System als verfügbar, liegen aber ungeöffnet im Wareneingang. Nachschub und Verfügbarkeitsprüfung rechnen mit Mengen, die niemand greifen kann.

Beispielrechnung: Was ein Fehlerfall kostet

Die Rechnung ist ein Beispiel und keine Messung aus einem konkreten Lager. Sie zeigt Größenordnungen, mit denen Lagerleiter und Controller arbeiten können.

Fehlerfolge Beispielkosten je Fall
Nachkommissionierung, Suche, Umpacken 12 bis 25 Euro
Sonderfahrt, Kurier oder Teillieferung 45 bis 120 Euro
Retoure, Gutschrift, Reklamation 15 bis 35 Euro
Inventurdifferenz mit Abschreibung Einstandspreis plus Verwaltungsaufwand
Stillstand in der Linie oder beim Kunden 150 bis 400 Euro je Stunde

Ein Lager kommissioniert 8.000 Positionen pro Woche bei einer Fehlerquote von 0,4 Prozent. Das sind 32 Fälle. Bei durchschnittlich 65 Euro je Fall entstehen 2.080 Euro pro Woche und rund 108.160 Euro im Jahr. Nicht enthalten sind Stillstandskosten und entgangene Deckungsbeiträge.

Dazu kommt die Kapitalbindung. Liegt der Systembestand dauerhaft fünf Prozent zu hoch und der Lagerwert beträgt 2.000.000 Euro, sind 100.000 Euro zu viel gebunden. Bei sechs Prozent Kapitalkosten sind das 6.000 Euro im Jahr. Auch das ist eine Beispielrechnung.

Warum falsche Bestände den Nachschub treiben

Ein zu hoch gebuchter Bestand verhindert die Nachbestellung. Die Disposition sieht Ware, die nicht im Regal liegt, der Meldebestand wird nicht erreicht, und der Fehlbestand fällt erst beim Kunden auf. Jede Lagertransaktion gehört zur Buchführung, und § 238 HGB verlangt die Aufzeichnung aller Geschäftsvorfälle.

Ein zu niedrig gebuchter Bestand löst das Gegenteil aus. Es wird nachbestellt, obwohl Ware im Regal liegt. Die Folge sind Überbestände, mehr Umlagerungen, höhere Kapitalbindung und bei verderblicher Ware zusätzliche Abschreibungen.

Artikelvertauschungen verzerren die Reichweite je Artikel. Artikel A erscheint knapp, Artikel B reichlich vorhanden. Verbrauchsstatistiken, ABC-Analyse und Sicherheitsbestände werden auf falscher Grundlage gerechnet, und die Fehlmenge taucht später an anderer Stelle auf.

Die Wirkung zeigt sich in Kennzahlen. Die Inventurdifferenzquote steigt, die Lieferbereitschaft sinkt, und die Zahl der Eilaufträge pro Woche wächst, ohne dass der Absatz steigt.

Gegenmaßnahmen mit Scanner, Stichproben und Inventur

  1. Scanpflicht an jeder Entnahme und Einlagerung: Artikel, Lagerplatz und Menge erfassen, Buchung in Echtzeit statt am Schichtende.
  2. Gewichts- und Mengenkontrolle am Packplatz: Weicht die Waage vom Scan ab, stoppt der Auftrag sofort.
  3. Stichproben: fünf bis zehn Prozent der Positionen prüfen, A-Artikel und Hochpreiser grundsätzlich doppelt kontrollieren.
  4. Fehlererfassung mit Ursachencode je Zone und Kommissionierer, wöchentliche Auswertung statt Jahresstatistik.
  5. Inventur: Dauerinventur nach § 241 HGB, mindestens einmal jährlich die körperliche Bestandsaufnahme nach § 240 HGB.

Neue Scanner und Pick-by-Voice verändern die Arbeitsabläufe im Lager. Die Gefährdungsbeurteilung nach TRBS 1111 der BAuA ist vor der Einführung zu prüfen und bei neuen Tätigkeiten anzupassen.

Häufige Fragen

Welcher Kommissionierfehler kostet am meisten?

Falscher Artikel und fehlende Buchung bei A-Artikeln. Der Kunde erhält nichts oder das Falsche, es folgen Eilversand, Retoure und Reklamation. Mengenfehler sind häufiger, Buchungsfehler wirken länger.

Ab welcher Fehlerquote sollte man eingreifen?

Eine verbindliche Grenze gibt es nicht. Viele Lager setzen eine Zielmarke zwischen 0,1 und 0,5 Prozent der Positionen. Wer darüber liegt, wertet die Ursachen je Zone aus und kürzt unnötige Scanschritte.

Reicht ein Scanner gegen falsche Bestände?

Nein. Gescannt wird nur, was als Pflichtschritt hinterlegt ist. Bestandskorrekturen ohne Beleg, Nachbuchungen am Schichtende und vergessene Rückläufer bleiben möglich.

Wie oft muss der Bestand körperlich aufgenommen werden?

Nach § 240 HGB zum Bilanzstichtag. Vereinfachte Verfahren nach § 241 HGB erlauben die Dauerinventur, wenn der Bestand nach Menge und Wert laufend feststellbar ist.

Mehr aus Lagerplanung

Lagerplanung

Kommissionierwege verkürzen mit fünf Schritten zur Wegzeitoptimierung

Kommissionierwege verkürzen: fünf Schritte von der Weganalyse bis zur Nachschubstrategie, mit Wegematrix, ABC-Analyse, Sekundenwerten und Einsparungen in Prozent.

Lagerplanung

Kommissionierung prüfen mit Scanner und Pick-by-Systemen

Kommissionierung prüfen: Scannerarten, Pick-by-Light, Pick-by-Voice und Pick-by-Vision mit Aufnahmekriterien, Kosten, WMS-Schnittstellen und Prüfschritten.

Lagerplanung

Lagerplanung als Leitfaden für Zonen, Flächen und Wege

Lagerplanung: Zonen, Flächen und Gänge nach VDI und DIN dimensionieren, mit Gangmaßen, Flächenanteilen, Kosten pro Quadratmeter und zuständigen Behörden.

Lagerplanung

Regalsysteme auswählen für Bauarten, Lasten und Normen

Regalsysteme nach Bauart, Fachlast und Norm auswählen: Einfachregal, Schmalgangregal, Hochregal und Mehrfachregal plus Prüfpflichten nach BetrSichV.